Der Indie-Spieledesigner Tom Ikeda war an der Entwicklung zahlreicher Spiele beteiligt: Er arbeitete unter anderem als Szenario-Autor, Planer und Director an Titeln wie Dandy Dungeon Brave Yamada und Million Onion Hotel von Onion Games. 2025 gründete Ikeda sein eigenes Studio UZZ und veröffentlichte das Zeichen- und Visual-Novel-Game A Farewell to AI.
Ich möchte Kinder und Erwachsene, die ihre Zeichnungen anderen nicht zeigen wollen, dazu ermutigen, mehr zu zeichnen. Aus diesem Gedanken heraus habe ich die App entwickelt.– UZZ-Gründer Tom Ikeda
Gegen KI rebellieren – mit KI
A Farewell to AI ist ein Visual-Novel-Game, das in einer von KI beherrschten Zukunft spielt, in der persönliche Ausdrucksformen verboten sind. Dort begegnest du einer ganzen Reihe mutiger Künstler:innen und gemeinsam startet ihr eine Revolution – durch das Zeichnen.
Künstler:innen aus verschiedenen Regionen und Epochen erzählen ihre Geschichten, während ihr euch zusammenschliesst und gegen die herrschende KI aufbegehrt. Es gibt allerdings einen kleinen Haken: Ihr werdet ausgerechnet von einer KI angeführt.
Die Herausforderungen bestehen aus Zeichenaufgaben. Zeichne innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits Bilder, die zur Aufgabenstellung passen. Anschliessend bewertet die KI dein „e‑go-koro“ – frei übersetzt etwa deinen „Zeichengeist“ – und legt damit deine Punktzahl fest. Dabei geht es nicht einfach darum, wie gut du zeichnen kannst: Die KI berücksichtigt eine Vielzahl von Faktoren und erklärt, was in ihre Bewertung eingeflossen ist. Erreichst du den geforderten „e‑go-koro“-Wert, geht es mit dem nächsten Kapitel der Geschichte weiter.

Ikeda erklärt, was hinter dem ungewöhnlichen Konzept steckt, die Zeichnungen, die du erstellst, von einer KI bewerten zu lassen.
„Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass wir in einer Zeit leben, in der es zunehmend unmöglich wird, Spiele ohne KI zu entwickeln. KI ist ganz selbstverständlich in alle möglichen Tools und Bereiche integriert. Trotzdem dürfen wir als Kreative nicht anfangen, von ihrer Bequemlichkeit abhängig zu werden. Statt KI einfach nur zu benutzen, müssen wir eigene, interessante Wege finden, sie einzusetzen. Aus diesem Gedanken heraus wollte ich ein Spiel entwickeln, das unsere Vorstellung davon hinterfragt, wie wir KI nutzen.“
Die KI, die den „e‑go-koro“ – den „Zeichengeist“ – bewertet, wurde mit einem breiten Spektrum an Kunstwerken trainiert, darunter auch Zeichnungen von kleinen Kindern. „Findest du nicht, dass etwas wunderbar Fantastisches darin liegt, einfach frei zu zeichnen, was immer man möchte – nur aus Freude am Zeichnen? Am Ende entstehen viele Werke, die im ganzen Universum einzigartig sind“, sagt Ikeda lachend.
Ein Atelier für alle
Auch Ikedas eigenes Kind hatte grossen Einfluss auf die Entwicklung von A Farewell to AI.
„Meine Tochter zeichnet für ihr Leben gern, aber sie zeigt mir ihre Bilder nur selten. Ich war schockiert, als ich viele ihrer Zeichnungen versteckt ganz unten in ihrer Schultasche fand“, erzählt Ikeda.
Nachdem er von der Grundschullehrkraft seiner Tochter gehört hatte, dass es eine ganze Reihe anderer Kinder gebe, die „gerne zeichnen, ihre Bilder aber nicht gerne zeigen“, liess Ikeda seine Tochter A Farewell to AI in der Entwicklungsphase testen. Während des Spielens zeigte sie ihm nicht, was sie zeichnete. Als er am nächsten Tag heimlich in den Speicher schaute, fand er dort 70 wundervolle Zeichnungen, die sie hinterlassen hatte.

„Da wurde mir klar: Selbst wenn Menschen zögern, ihre Zeichnungen anderen zu zeigen, schämen sie sich nicht, sie einer KI‑Figur in einem Spiel zu offenbaren. Im Gegenteil: Die Distanz, die die KI schafft, war beruhigender als ein menschliches Gegenüber. Je mehr Spieletests wir durchführten, desto deutlicher wurde mir, dass das auch für Erwachsene gilt. Ich hatte das Gefühl, eine Entdeckung zu machen, die wirklich bezeichnend für unsere Zeit ist.“
Er wollte seiner Tochter sowie anderen Kindern und Erwachsenen ermöglichen, freier und nach Herzenslust zu zeichnen. Deshalb, sagt er, war er fest entschlossen, A Farewell to AI auf jeden Fall zu veröffentlichen.
Einen Platz in der Welt finden
Allerdings, so Ikeda, habe die Welt der Indie-Spiele inzwischen die Zeiten hinter sich gelassen, in denen es genügte, einfach sein ganzes Herzblut in ein Game zu stecken, damit es sich auch verkauft. Deshalb versuchte er, der Welt die Bedeutung und den Zweck von A Farewell to AI durch Crowdfunding und Auftritte auf Indie-Game-Veranstaltungen näherzubringen – unter anderem beim BitSummit the 13th: Summer of Yōkai im Jahr 2025.

„Wäre das Crowdfunding-Ziel nicht erreicht worden, hätte die Entwicklung eingestellt werden müssen. Bei BitSummit dachte ich genauso: Gäbe es keine Reaktion, würde ich die Entwicklung abbrechen. Zum Glück bekam die Crowdfunding-Kampagne viel mehr Unterstützung, als ich mir erhofft hatte, und die App erhielt dort den Media Highlight Award.“
Nach all diesen Irrungen und Wirrungen wurde A Farewell to AI schliesslich veröffentlicht. Dank der Unterstützung und des Rückhalts vieler Menschen wird das Spiel regelmässig aktualisiert und um neue Funktionen erweitert – während es weiterhin den „e‑go-koro“ der Spieler:innen bewertet.
Pläne für die nächste Herausforderung
Derzeit erzählt A Farewell to AI die Geschichten von vier Künstler:innen. Im „Challenge Mode“ dreht sich alles um unterschiedliche Zeichenaufgaben. Darüber hinaus sind weitere Prompts und Geheimnisse geplant, ebenso wie eine umfassende grafische Überarbeitung und neue Szenarien.

Zeichne auf dem iPhone oder experimentiere auf dem iPad mit dem Apple Pencil. Wir stehen kurz vor einer Revolution – und du kannst sie auslösen.