Knapp zwei Wochen waren wir mit dem Elektroauto von Rheinhessen aus in der Bretagne und fuhren über 2.400 Kilometer. Zahlen, Fakten und Erfahrungen zum Laden und Fahren eines Elektroautos im Ausland. Ach ja, dann ist da noch die Maut – die war teurer als der ganze Strom.
Dies war unser zweiter großer „Auto-Urlaub“ mit unserem Kia EV3 aka Robin („Robin Masters“). Vom 15. bis 27. August 2026 waren wir unterwegs.
- Samstag, 15. August: Hinfahrt in einem Rutsch von Rheinhessen via Saarbrücken, Metz, Reims, Paris und Le Mans (ca. 900 km) nach Plouër-sur-Rance.
- Entspannter Urlaub und viele Ausflüge mit Basis in einer Ferienwohnung in Plouër-sur-Rance (siehe Artikel „Lebenszeichen aus der Bretagne“ )
- Mittwoch, 26. August: Rückfahrt via Le Mans, Paris bis Reims, Kurz-Erkundung von Reims mit Kathedrale
- Donnerstag, 27. August: Heimfahrt von Reims via Metz und Saarbrücken mit Laden und Einkaufen (Terrine! Käse! Pâté!) im Centre commercial bei Farébersviller, Frankreich
Nach den ersten Erfahrungen in Italien (siehe „Italienurlaub mit dem Elektroauto“ ) fuhren wir schon sehr entspannt los, und wir wurden nicht enttäuscht (weder von der Elektroautoerfahrung, noch von der Bretagne).
Für die Maut zahlten wir in Frankreich tatsächlich mehr als fürs Laden. Es gibt noch eine gesonderte Übersicht zu Maut und Vignetten in unseren Urlauben in Frankreich, Italien und Österreich.
Inhalt
- Laden, Verbrauch und Kosten
- Fahren in Frankreich
- Fahrerlebnis
- Planen mit A Better Routeplanner
- Ionity
- Electra
- Ladeinfrastruktur
- Ladepreise
- Rechnungen
- Ladetarife und -karten
- Ladekurve und Ladeverhalten EV3
- Ladesäulen
- Maut und Umweltplakette in Frankreich
- Fazit
Laden, Verbrauch und Kosten
Urlaubskosten Bretagne 2026 – Laden mit dem Elektroauto (Balkengrafik mit Kosten und Kilowattstunden je Unternehmen)
Für günstigere Ladepreise hatte ich für den Bretagne-Urlaub das Abonnement „Ionity Power“ (11,99 € monatlich), woraus aufgrund der Rechnungsstellung zwei Monate wurden. Das Ionity-Abo habe ich wieder gekündigt.
- Wir fuhren 2.436 km, verbrauchten 401 kWh und zahlten dafür 123 €.
- Wir hatten einen Verbrauch von 16,5 kWh/100 km,
- Wir zahlten einen durchschnittlichen Preis von 31 ct/kWh (ohne Lade-Abo) und pro 100 Kilometer durchschnittlich 5,06 €.
Urlaubskosten Bretagne 2026 – Fahren mit dem Elektroauto (Balkengrafik mit Kosten und Kilowattstunden für Abos, Laden und Maut je Unternehmen)
- Bei Ionity hatten wir zwei Abrechnungsmonate (jeweils 11,99 €) für das Abo „Ionity Power“.
- Unter Berücksichtigung der beiden Monate des Ionity-Abos zahlten wir 37 ct/kWh.
- Für die Maut bezahlten wir 129 € (wir nutzen eine Mautbox von Tollbird).
Bis auf ein Mal Electra in Frankreich und das Wiederaufladen an der heimischen Wallbox nutzten wir „Ionity Power“ – darunter auch beim Einkaufen im Super U, nur 3 km von der Ferienwohnung entfernt.
Laden Kia EV3 an Îonity-Ladesäule am Super U in Plouër-sur-Rance
Alle Ladevorgänge an den Ladesäulen sind dokumentiert, die Zahlen dazu gibt es sowohl in den jeweiligen Apps als auch in den Rechnungen.
„Wohlfühlfaktoren“:
- Ionity hat irgendwie vergessen, uns einen Ladevorgang zu berechnen, den habe ich bei der Kalkulation ignoriert.
- Ionity hat einen „Fast Lane Reward“, mit dem es 5 kW kostenlos gibt, wenn man vor 85 Prozent Ladestand das Laden beendet und mindestens 40 kWh geladen hat („IONITY belohnt das Laden bis 80 % mit kostenlosem Ladestrom“). Das haben wir zwei Mal genutzt.
- Bei Electra nutze ich einen Rabattcode, durch den ich 50 Prozent beim ersten Ladevorgang erhielt.
Nach unserer Rückkehr lud ich am Folgetag die Autobatterie an unserer Wallbox („Easee Home“) von 27 auf 47 Prozent und kalkulierte ein Laden auf 100 Prozent, um wieder auf den Ladezustand beim Losfahren am 15. August zu kommen.
Jeder Ladevorgang wird in den jeweiligen Apps und über Rechnungen dokumentiert.
Fahren in Frankreich
Auf Frankreichs Autobahnen haben wir uns wohlgefühlt. Die meisten Autobahnen kosten Maut (außer die Autobahnen rund um Städte). Die Straßenbeläge waren aber sehr gut, es gab fast keine Baustellen und Staus hatten wir nur um die dafür bekannte Stadt Paris herum mit vielen Autobahndreiecken und -kreuzen. Ansonsten konnte man kontinuierlich selbstgewählte Geschwindigkeiten zwischen 100 und 130 km/h fahren. Die Autobahnraststätten waren recht sauber, nur die Toiletten waren oft „optimierungsfähig“. Das führe ich primär auf die Ferienzeitbelastung zurück. Ein Hinweis: Toiletten haben keinen Toilettendeckel und keine Toilettendecke, in den Autobahnraststätten sind die Toilettenschüsseln oft aus Metall.
Fahrerlebnis
Das Fahren mit unserem Elektroauto Kia „Robin Masters“ EV3 war und ist immer sehr entspannend. Kein Röhren. Sehr ruhig. Beschleunigung ist sofort mit Druck aufs Pedal da. Assistenzsysteme werkeln zuverlässig vor sich in.
Bei heißen Tagen gehört das Fahren mit Klimaanlage dazu. Die Sitzbelüftung ist genial. Die Vorklimatisierung ebenfalls: In der App die Klimaanlage nach dem Restaurantbesuch oder der Wanderung schon mal starten und in das gekühlte Auto einsteigen.
Planen mit A Better Routeplanner
Für die Ladeplanung nutzen wir „A Better Routeplanner“, der sehr gut konfigurierbar ist (z.B. bevorzugte Betreiber und Tarife). Die berechneten Prozentangaben für Verbrauch und SoC bei Ankunft an den Ladepunkten waren sehr genau. Meist kamen wir sogar mit 2 oder 3 Prozent mehr an als berechnet. Mit dem Abo (4,99 € pro Monat) gibt es die Live-Berücksichtigung von Wetter bei der Verbrauchsberechnung, die Anzeige der Anzahl freier Ladekabel und Android Auto (oder Car Play). Außerdem werden die Fahrten aufgezeichnet.
A Better Routeplanner: Fahrt von Plouër-sur-Rance nach Saint-Malo, zurück über Dinard (Plouër-sur-Rance (Bretagne) im August 2026 (Screenshot)
Ionity
Ionity kann man benutzen
- ad-hoc (Direktzahlung mit Kreditkarte an Säule)
- mit App ohne Abo,
- mit App im Abo „Motion“ (mtl. oder jährliches) und
- mit App im Abo „Power“ (mtl. oder jährliches).
Bei den Abos bekommt man eine Ladekarte kostenlos (bin mir nicht sicher, aber wohl auch so, aber dann gegen Gebühr).
Wir hatten „Power“ im monatlichen Abo. Das lässt sich monatlich zum Rechnungstermin kündigen, was ich jetzt nach dem Urlaub gemacht habe.
Electra
Wir haben ein Mal bei Electra geladen, direkt am Drive Through eines KFC.
Laden Kia EV3 an Electra-Ladesäule
Den Rabattcode habe ich von „Elektrobohne“ in seinem Video „Electra setzt auf Alpitronic HYC1000 – Das erwartet uns bald auch in Deutschland!“.
youtube.com/watch?v=tNlho-0-gz…
Ladeinfrastruktur
Die Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen und größeren Straßen kein Problem. Auf der Hinfahrt mussten wir in Mayenne warten (die Verbrenner an den Ladesäulen aber auch, teilweise 7 oder 8 Autos pro Säule). Auf der Rückfahrt waren 2 von 6 Ionity-Ladesäulen im Centre commercial bei Farébersviller defekt. Stundenlang waren vorher immer 2 oder 3 Säulen frei, aber ausgerechnet bei unserem Ankommen mussten wir etwas warten. Die Ladeparks von Ionity waren leider nie überdacht – das ist bei dem guten Wetter kein Problem, bietet jedoch definitiv Potential.
Vor Ort hatten wir das Glück, dass nur 3 km entfernt von der Ferienwohnung beim Super U eine Ionity-Ladestation war. Doch auch andere Ladestationen waren in akzeptabler Reichweite. Mit unserer Ferienwohnung hätten wir sogar dort den Wagen laden können, denn am Parkplatz vor dem Haus war eine vorbereitete Steckdose (Haushaltsstrom mit „Ziegel“, keine „Wallbox“).
Ladepreise
Die Strompreise an den Ladesäulen sind teilweise unübersichtlich. Die Ad-hoc-Preise sind im Ausland teilweise günstig, mit einem Abo, den richtigen Tarifen und den passenden Ladeparks waren wir aber besser bedient.
In Frankreich hatten wir bei Ionity verschiedene Preise bei unterschiedlichen Ladestationen: 31 und 35 ct/kWh (mit „Power-Abo“). Vermutlich richtet sich der Preis nach der Nachfrage an dieser Station (generell und unabhängig von der Uhrzeit). Die gültigen Preise der Station sieht man in der App. Bei Electra waren die Preise für uns höher, aber wir hatten auch kein Abo aktiviert.
Rechnungen
Bei Ionity gibt es eine dedizierte Rechnung für eine monatliche Grundgebühr (sofern abonniert). Von Ionity gibt es für jeden einzelnen Ladevorgang eine Rechnung, spätestens am nächsten Tag.
Electra hat uns direkt nach dem Laden eine Rechnung geschickt.
Bei beiden werden die Rechnungsbeträge werden über den entsprechenden Zahlungsweg abgebucht.
Ladetarife und -karten
Wir nutzten zwei Ladetarife, jeweils mit Ladekarten.
- „Ionity Power“ mit Ladekarte
- Electra mit App, aber ohne Abo oder Ladekarte
Bei Ionity hatte ich einen monatlich (jeweils zum Rechnungstag) kündbaren Tarif für 11,99 € aktiviert („Ionity Power“). Beim erstmaligen Aktivieren dieses Tarifs hatte ich die jeweilige Ladekarte bestellt, deren kostenlose Bestellung in dem höheren Tarif enthalten ist.
Ladekurve und Ladeverhalten EV3
Wir fahren einen Kia EV3 mit der 80-kW-Batterie. Das Auto hat „nur“ ein 400-Volt-System. Die maximale Ladeleistung ist angegeben mit 129 kW, wir hatten durchgehend 126 kW als höchste Ladeleistung.
Bei allen Ladesäulen hatten wir eine gleiche Ladekurve. Zu Beginn steigt die Leistung schnell auf etwa 126 kW, das wird bis rund 65 Prozent gehalten, dann geht es stufenweise runter. Hier sind die ungefähren Leistungsstufen je SoC (State of Charge, prozentualer Ladezustand der Batterie):
- Ladebeginn: Kontinuierliches, steiles Steigen bis 125 kW
- bis 65 %: 125 kW
- ab 66 %: 114 kW
- ab 73 %: 75 kW
- ab 78 %: 70 kW
- ab 80 %: 60 kW
- ab 83 %: 45 kW
Durch das lange, hohe Ladeniveau mit über 100 kW lädt der EV3 zuverlässig und für uns einerseits schnell genug, dass wir nicht wirklich warten müssen, und andererseits langsam genug, damit wir auf dem Rückweg von Toilette und Kaffee nicht rennen müssen.😁
Ladesäulen
Bei Ionity genieße ich es, dass jede Säule nur einen Ladepunkt mit voller Leistung hat. Bei Electra waren es zwei Kabel je Säule, doch weiß ich nicht, ob dann eine Teilung der Leistung erfolgt.
Die Ladevorgänge an sich waren immer problemlos. Das Menü der jeweiligen Ladesäule führt einen durch bis zum Laden. Wenn das Laden beendet ist (weil das im Auto eingestellte Ladelimit erreicht ist), zeigt das die Säule an und fordert auf, das Kabel vom Auto zu entfernen und in den Halter an der Säule zu stecken. Außerdem gibt es einen Knopf, um den Ladevorgang vorzeitig abzubrechen. Manchmal, beispielsweise bei älteren Säulen von Ionity, ist das Display sehr spartanisch aufgebaut, dann fehlt die Anzeige der Ladekurve.
A Better Routeplanner zeigt als Android-Auto-App normalerweise die Gesamtanzahl der Ladesäulen des nächsten Ladestopps sowie deren Verfügbarkeit an (beispielsweise 2 von 8 besetzt). Auch bei Ionity wird dies in der App angezeigt, zusätzlich wird der aktuelle Ladezustand des jeweiligen Fahrzeugs in Prozent angezeigt.
Warten müssen war für uns nie ein Problem. Wir nutzen die Ladezeit für Toilettengänge oder fürs Essen. Oder fast noch schöner: Fürs Quatschen und Austauschen mit anderen Reisenden. Am Super U in Plouër-sur-Rance war Manuela beim Einkaufen im Supermarkt, während ich mich mit dem Fahrer eines anderen Kia EV3 (GT-Line) unterhielt. Es passiert beim Laden irgendwie schnell, dass man ins Quatschen kommt. Falls keine anderen Wagen warten, muss man auch nicht gleich die Säule wieder frei machen.
Maut und Umweltplakette in Frankreich
In Frankreich ist auf vielen Fernverkehrsstrecken eine Maut zu zahlen. Eine Vignette gibt es in Frankreich nicht. Es gibt jedoch die Umweltplakette Crit‘Air (die deutsche Umweltplakette wird nicht akzeptiert), die in vielen Städten (u.a. Reims) erforderlich ist.
Das ist kein spezifisches Elektroauto-Thema, daher hier nur so viel:
- Wir hatten vor einigen Wochen die Crit‘Air-Plakette bestellt, die mit der Post versendet wird. Kosten inklusive Versand: Etwa 5 Euro (einmalig).
- Für Italien bereits hatten wir uns eine Mautbox von Tollbird geholt. Die wird von innen an die Windschutzscheibe geklebt. Damit konnten wir an jeder Mautstation einfach im Free-Flow-System (ohne Schranke, automatische Erkennung des Wagens) durchfahren. Zwar kostet die Box eine Aktivierung und eine Jahresgebühr (solange man sie nicht zurückgibt), aber der Komfort-Faktor ist fantastisch!
- In Italien wurde die Durchfahrt sehr zeitig vor den Schranken aktiviert. In Frankreich mussten wir teilweise bis ein oder zwei Meter bis vor die Schranke fahren, bevor die Ampel grün wurde und die Schranke hoch ging.
Es wird noch einen Artikel über Vignetten, Maut und die Kosten in Italien, Österreich und Frankreich geben.
Fazit
Der Urlaub in der Bretagne mit dem Elektroauto war sehr entspannt. Das Fahren und Laden mit dem Elektroauto ist mehr als praktikabel bei günstigeren Preisen als mit Verbrenner und als in beispielsweise Italien – und es führt zu ruhigem Cruisen und entspanntem Laden mit interessanten Gesprächen.
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